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Körperkult

Schönheit, Körperkultur und Ästhetik haben in Brasilien eine lange Tradition. „Kult“ ist, wer „schön“ ist! Oder wer zumindest dem brasilianischen Schönheitsideal entspricht. Das jedoch ist ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Zum einen heißt es, „eine erfolgreiche Frau ist mager, weiß und blond.“ Wer was auf sich hält, orientiert sich an Europa und den USA. Dies galt vor allem in der Vergangenheit für Menschen aus ärmeren sozialen Schichten, die sich der Oberschicht orientierten. Die Hautfarbe war – und ist noch heute – fast gleichbedeutend mit dem sozialen Status. Dunkelhäutige Frauen waren deshalb nicht selten darauf bedacht, Kinder mit Weißen zu zeugen. Trotzdem steht dieses Bild in starkem Kontrast mit den Latinos, deren kaffeebrauner Teint, schwarze Augen, weiche Kurven und stählerne Muskel als Elemente des Schönen gelten. Nicht umsonst stammt der Großteil der „Miss Universe“ aus den lateinamerikanischen Ländern.

Brasilien hat weltweit den höchsten Pro-Kopf-Konsum an Kosmetika. Insbesondere Haar- und Körperpflegeprodukte nehmen in den Supermärkten sehr viel mehr Raum ein als nirgendwo sonst. Haare, Nägel, Kleider, Schminke – alles muss sitzen. Landesweit sind nicht weniger als 265.000 Schönheitssalons registriert. Die meisten Frauen frequentieren diese mindestens einmal wöchentlich. Bereits Dreijährige üben sich im Lackieren von Fingernägeln. Die ersten Ohrringe erhalten Mädchen in der Regel kurz nach der Geburt. Was als Kind beginnt, setzt sich im Erwachsenenalter fort. Wer nicht angeschaut wird, existiert nicht.

KörperkultMan trägt seinen Körper, seine Haut zur Schau. Die Schönheitsoperation im heutigen Sinne ist gewissermaßen eine brasilianische Erfindung. In keinem anderen Land bedienen sich derart viele Leute der Möglichkeiten der plastischen Chirurgie. Dabei zählen Männder wie Frauen zu den regelmäßigen Kunden der Chirurgen, wenn es um die wohlgeformten Körperzonen Bauch, Beine, Po geht. Aber auch der Gang ins Fitnessstudio gehört zu den Alternativen, wenn es um die Attraktivität des Körpers geht.