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Geschichte

Die ersten Spuren menschlichen Lebens in Brasilien gehen bis 28.000 v. Chr. zurück. Die Paläo-Indianer ziehen als Jäger und Sammler durch das Land und erreichen um 10.000 v.Chr. schließlich Feuerland an der Südspitze Amerikas. Seitdem entwickelten sich viele Stämme und Kulturen, die die Lebensweise der brasilianischen Bevölkerung bis heute geprägt haben. Ungefähr 20 Mill. Indianer leben im heutigen Lateinamerika. In Mexiko und in den Hochtälern der Anden entstanden große Staatssysteme, die sich bis zum Eintreffen der ersten Europäer zu den blühenden Großreichen der Azteken, Inka und Maya entwickelten.

Mit der „Entdeckung“ Amerikas durch Christoph Columbus 1492 sind die letzten Erben der alten Hochkulturen dem Untergang geweiht. Die europäischen Monarchen gieren nach den Gold- und Silberquellen. Die Zahl der Indianer reduziert sich dramatisch. 1494 kommt es zum Vertrag von Tordesillas. Brasilien fällt durch den Schiedsspruch von Papst Alexander VI. in die portugiesische Einflusszone. Erstmals geografisch erwähnt wird „Brasil“ 1507 durch Martin Waldseemüller. Das Land existiert nun mehr offensichtlich für aller Welt Augen.

Das Kolonialzeitalter (1534-1821) bricht an. Zahlreiche Kaufleute, Handelskompanien und Abenteurer siedeln sich in der „neuen Welt“ an. Mit der Einführung des Zuckerrohrs und der Plantagenwirtschaft kommt der Dreieckshandel in Schwung. Europäische Manufakturwaren werden in Afrika gegen Sklaven eingetauscht, die in Nord- und Südamerika zur Versteigerung kommen; mit dem Erlös erwirbt man Edelmetalle, Gewürze und Früchte für den Transport in die „alte Welt“. Um 1750 stoßen bewaffnete Trupps der „Bandeirantes“ weiter ins Landesinnere vor. Die spanischen Kolonialmächte müssen einen weiteren territorialen Verlust hinnehmen und im Vertrag vom Madrid die neu festgelegte Westgrenze Brasiliens anerkennen. Einige Zeit später, nämlich 1763, wird Rio de Janeiro neuer Regierungssitz und Landeshauptstadt.

Die Machtkämpfe in Europa haben zunehmend Einfluss auf die politischen Geschicke auf dem Südamerikanischen Kontinent. Im Verlauf des Wiener Kongress erhält Brasilien 1815 den Status eines Königreichs. Über die Jahre versuchen die portugiesischen Cortes Brasilien als Kolonie zurückzuwinnen. Dem starken Bestreben Dom Pedros ist es zu verdanken, dass Brasilien 1822 unabhängig wird. Pedro I. wird erster Regent des brasilianischen Kaiserreichs (1822-1888). 1824 erfolgt die diplomatische Anerkennung durch die Vereinigten Staaten; 1825 folgen Großbritannien und Portugal. Auf Anfrage von Erzherzogin Leopoldine kommen Gruppen von deutschen Einwanderern ins Land, die sich in der „Kolonie“ São Leopoldo bei Porto Alegre, Rio Grande do Sul niederließen.

Vor Ausrufen der Republick 1889, verbot Brasilien als letztes Land der Welt 1888 die Sklaverei – 25 Jahre nach den Vereinigten Staaten und 100 Jahre nach Haiti! Mit der Abdankung Dom Pedros II., aufgrund eines Militärputsches, beginnt unter Marschall Deodoro da Fonseca das Zeitalter der Föderativen Republik Brasiliens (1889-1963). Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Europa 1914 bricht das Kautschuk-Monopol zusammen. Auch schwächt die Kaffeekrise Ende der 20er Jahre die brasilianische Exportwirtschaft. Nach der Bombardierung eines brasilianischen Schiffes durch die deutsche Seeflotte tritt Brasilien 1942 auf Seiten der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Ab 1930 ist Getúlio Vargas bis zu seinem angeblich Selbstmord 1954, mit einer unterbrochenen Amtszeit, Regierungschef, der auf ökonomische und soziale Reformen setzt.

Auch in der neuen Hauptstadt Brasilia, wo auf Grund der Kuba-Krise ebenso die Furcht vor einem linken Umsturz wächst, nimmt die Gewaltbereitschaft der oppositionellen Bewegung im Land zu. 1964 kommt es zum Sturz des amtierenden Präsident João Goulart durch die Streitkräfte. Brasilien versinkt von 1964-1985 in eine Militärdiktatur. Mitte der 80er Jahre scheint dies überwunden. In Brasilien herrscht Aufbruchsstimmung, doch die folgenden Präsidenten können dem gesellschaftlichen Druck und den sich angestauten Wünschen der Bevölkerung nicht Standhalten. Vetternwirtschaft, Korruption, Inflation und Arbeitslosigkeit bestimmen bis heute die Stimmung im Land. Ein politisches Problem Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewählt