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Eu amo Brasil! – Ich liebe Brasilien!

Nach über zwei Monaten Aufenthalt in Brasilien, merke ich nun mit jedem Tag der hier vergeht, dass es mir schwer fallen wird in Deutschland wieder für längere Zeit zu leben. Ohne Frage vermisse ich einige Dinge, die mein Leben in Leipzig sehr bereichern, wie Familie, Freunde und die Vertrautheit der Stadt, in der ich seit über 30 Jahren lebe und die ich nie länger als zwei Monate verlassen habe. Doch nun merke ich auch, wie wichtig und bereichernd es ist seine Heimat einmal für längere Zeit hinter sich zu lassen, und einen anderen Teil der Welt längerfristig zu entdecken und zu erleben.

Ich denke, dass man erst nach ein bis zwei Monaten richtig in ein Land eintaucht: in den ersten Wochen ist alles, was man sieht und tut neu und aufregend, im zweiten Monat bekommt man dann langsam ein Gefühl für die Lebensweise und passt sich Stück für Stück an die kulturellen und sozialen Unterschiede an; da gibt es viele Große und Kleine (gute und nicht so gute), wobei die guten bisher auf jeden Fall überwiegen. Insbesondere die Menschen und deren Mentalität sind so viel positiver und aufgeschlossener als in Deutschland, auch wenn man dafür gelegentlich auf die Unverbindlichkeit verzichten muss.

Ebenso stelle ich fest, dass wenn man einmal längerfristig in einem anderen Teil der Welt gelebt hat, dies einen so schnell nicht wieder los lässt. Denn es macht selbstständiger, aufgeschlossener und unbeschwerter, da man lernt, sich mit vielen Dingen abzufinden, die einen sonst stören würden. Und man wächst an den kleinen und großen Herausforderungen, vor die man immer mal wieder gestellt wird.

Das Wetter, das selbst jetzt noch (im Herbst) wie ein Hochsommer in Deutschland ist, ist natürlich eins der wohltuendsten Dinge und trägt viel zu einer unbeschwerten Lebensweise bei. Ich mache mir jetzt schon Gedanken, wie ich dem nächsten deutschen Winter am besten entfliehe …

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Floripa

Aber weiter zu meinen Erlebnissen.

Da war ich ja zum einen in der Riesenstadt São Paulo (oder auch Sampa genannt), die einfach nur groß, größer, am größten ist: so viele Hochhäuser habe ich noch nie auf solch einer riesigen Fläche gesehen!
In einem unüberschaubaren Geflecht aus Straßen und Wegen, überbieten sich die Apartments an Höhe: wie in einem Dschungel, versuchen die kleineren Hochhäuser aus dem Schatten der größeren dem Sonnenlicht entgegen zu wachsen.

 Mit welcher Gewalt die Hochhäuser das Stadtbild prägen, zeigt der Vergleich zu einem „Hochhaus“ aus den 1930er-Jahren.

Doch nicht nur die unglaubliche Dichte ist ungewöhnlich, sondern auch, wie jedes einzelne Grundstück nach außen abgeschirmt ist. Vor jedem Eingang, der mit Dutzenden Kameras bestückt ist, hat man mindestens einen Sicherheitsportier. Und als wäre das nicht genug, sind auf den meterhohen Mauern und Zäunen noch elektrisch geladene Drähte gespannt. Es hat mehr den Eindruck als würde dahinter der T-Rex aus Jurassic Park wohnen …

Wenn man sich der Herausforderung annimmt, die Stadt auf holprigen schmalen Gehwegen – die meist von Baumwurzeln gesprengt oder vom tropischen Regen ausgespült wurden – und über die enormen Höhenunterschiede der Hügel, zu Fuß zu erkunden, kann man zwischen endlosen Hochhäusern, kanalisierten und verrohrten Flüssen, und einem Labyrinth aus Unter- und Überführungen eine Menge Buntes entdecken: Street Art und Graffiti. Und zwar in solch einer beeindruckenden Fülle und Kreativität, wie ich es in noch keiner anderen Stadt gesehen habe – auch nicht in NYC!
Vielleicht ist diese Kunst in São Paulo so verbreitet, um dem Hochhaus-Beton-Dschungel ein wenig Farbtupfer zu verleihen. Und in keinem anderen Viertel der Stadt konzentriert sich eine solche Qualität dieser Kunst auf engstem Raum, wie in Vila Madalena. Das Viertel ist bekannt für sein vielfältiges Nachtleben und gilt als Zentrum der alternativen Kunst und Kultur.
So kann man sich im Coffee Lab mit frischem hauseigenen gerösteten Kaffee verwöhnen lassen, und abends dann zu Samba und Forró in einer der vielen Bars tanzen gehen.

Ansonsten ist der Parque do Ibirapuera noch sehr zu empfehlen, der auch als „Central Park“ São Paulos gilt, und besonders am Wochenende von tausenden Joggern, Skatern und Radfahrern bevölkert ist.

 

Als ich einmal mit der U-Bahn ins Zentrum unterwegs war, kreuzten hunderte Brasilianer mit gelbgrünen Shirts und lärmenden Tröten meinen Weg und ich dachte es ist ein Fußballspiel in der Stadt. Erst danach habe ich in den Nachrichten erfahren, dass es sich um eine Demonstration gegen Dilma Rousseff handelte – bei den Brasilianern scheint selbst eine Demo wie ein Fußballspiel oder eine große Party zu sein …

Knapp eine Woche São Paulo war dann auch genug, nicht nur wegen der schlechten Luft (die mir nach einigen Tagen Kopfschmerzen bereitete), sondern vor allem auch weil ich die Weite, die Natur, den Strand und das Meer vermisst habe. Denn an diese Umgebung habe ich mich seit meiner Ankunft in Brasilien schnell gewöhnt – und diese sagt mir persönlich auch sehr viel mehr zu!
Keine Ahnung wie Menschen in einer Stadt wie São Paulo Jahrzehnte lang leben können; aber das Frage ich mich generell bei diesen Megastädten. Wahrscheinlich ist das schwer vorstellbar für einen Leipziger wie mich, der solch eine gemütliche Großstadt gewöhnt ist.

Nach meinem Aufenthalt in Sampa ging es dann direkt weiter nach Brasília, wo ich in einer 4er-WG untergekommen bin, die auch noch komplett vegetarisch ist – und das im Fleisch verwöhnten Brasilien!
Durch den liebenswerten und aufgeschlossenen Empfang, habe ich mich dort sehr wohl gefühlt, und wahrscheinlich auch, weil ich selbst seit über 10 Jahren das WG-Leben kenne und schätze.
Und dann ist Brasília auch sehr viel entspannter als São Paulo. Die Stadt an sich hat auf den ersten Eindruck nicht so viel zu bieten und erinnerte mich eher an Leipzig-Grünau in den Tropen. Doch wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist, wie es bei mir der Fall war, kann man sehr viel Spaß in einigen der Samba-/Forró-Bars oder anderen Clubs haben. Zu empfehlen sind: das Balaio Café, Play! und Arena Futebol Clube.
Für Vegetarier hat die Hauptstadt einige gute Selbstbedienungs-Restaurants mit einer leckeren Vielfalt an landestypischen vegetarischen Speisen, wie frittiertem Maniok, Palmito, Lotuswurzel und Okra (quiabo), zu bieten.

Eine Sache, die mir an Brasília besonders gefallen hat, ist die schier endlose Weite und der atemberaubende Himmel, an dem man täglich riesige Wolkenformationen bis zum Horizont betrachten kann.
Ich kam mir teilweise wie in einer Savanne vor und hatte nicht das Gefühl in einer Hauptstadt zu sein – und die rote Erde tat dafür ihr Übriges.

Etwa 1,5 Autostunden von der Stadt entfernt liegt der Parque Nacional do Brasília den ich mit ein paar Leuten besuchte und wir es uns gemeinsam in den Wasserfällen haben gut gehen lassen.
Egal, wo man sich in Brasilien aufhält, es gibt immer einen wundervollen natürlichen Hotspot in der Nähe, in dem man sich weitab jeglicher Zivilisation vorkommt. Das ist eins der großartigen Dinge, die einem dieses Land bietet.

Auf dem Rückflug zeigte sich mir Brasília wie eine mit Lichtern aufgereihte Perlenkette und am Horizont konnte ich im Dunkeln gewaltig auftürmende blitzende Gewitterwolken sehen, die sich beeindruckend der Stadt näherten.

Kaum in Floripa angekommen, kam ich nicht darum herum einen Nachtspaziergang am Strand entlang zu machen, und das Wellenrauschen des weiten Ozeans und den klaren Sternenhimmel auf mich wirken zu lassen.

Praia do Garopaba

Nun habe ich auch schon mein neues zu Hause in dem liebenswerten Städtchen Garopaba bezogen, dass mit seinem Surfer Flair an eine Kleinstadt an der US-Westküste erinnert.
Die Strände gelten als Surfer Paradies und einer der Hauptarbeitgeber ist die in der Stadt ansässige und dort gegründete Firma Mormaii, die Kleidung für den Surfbedarf herstellt.
Ich durfte auch schon in den Genuss kommen, einige Wellen zu nehmen, wobei ich immerhin schon für etwa 2 Sekunden auf dem Brett stehen konnte! Das ist nicht so einfach, wenn sich unter einem der „Boden“ bewegt.

Garopaba

Spätestens Ende April werde ich dann schließlich (mit einem Zwischenstopp an den Iguaçu-Wasserfällen) für ein paar Wochen nach Buenos Aires ausreisen, um bis Ende Juli weiter im großen liebenswerten Brasilien leben zu können.

John-Thomas Nagel

John-Thomas Nagel

Zur Zeit befinde ich mich weiterbildend in Brasilien und blogge meine Erlebnisse. Mit Bezug auf das Thema Reisen liefere ich Infos und Tipps aus erster Hand. Viel Spaß beim Lesen!
John-Thomas Nagel

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Kommentare

  1. Peters meint:

    Hallo John-Thomas Nagel,
    Danke, für deinen tollen Reisebericht.
    Wir planen gerade den Winter aus Deutschland zu entkommen.
    Wir wollen mit dem Schiff bis nach Santos/ Hafenstadt vor Sao Paulo uns schiffen lassen. Dann für 3 Monate an der Küste Praia Grande nieder lassen. Von da aus werden dann unsere Erkundungstouren los gehen.
    Das sind für Brasielien die wärmsten Monate. Kannst du uns sagen , ob der Süden Brasieliens von den Temperaturen aus zu halten sind?. Wie sieht es mit der Kiminalität aus? Müssen wir etwas beachten.
    Welche Orte sollten wir nicht aufsuchen. Was sollten wir auf alle Fälle uns ansehen.
    Die Grüße kommen aus Nord-Deutschland von
    Rosa und Henryk Peters

  2. Ernst Schlegel meint:

    Hört sich alles nach einem begeisterten Neuankömmling in Brasilien an. Die Realität, wenn man einige Jahre in Brasilien verbracht hat sieht leider weniger optimistisch aus. Die Brasilianer sind ein Volk, das sich weniger durch Individualität als durch relativ langweiliges Mainstreamverhalten auszeichnet. Keiner vermutet ein stockkonservatives Verhaltensmuster hinter den lebenslustigen Gesichtern. Irgendwann kommt dann auch der Punkt, wo man die positive Einstellung der Leute nicht mehr ganz teilen kann. Um es genau zu sagen, Brasilien ist ein Land, wo einige Sachen funktionieren und über den Rest wird einfach hinweggesehen. Korruption wird offiziell beklagt und inoffiziell einfach toleriert. Unverbindlichkeit ist eine der hervorstechensten Eigenschaften. Ganz Brasilien ist einfach wie ein potemkisches Dorf. Aussen hui und innen pfui. Die momentane wirtschaftliche Krise ist nicht nur politischen Ursprungs. Da kommen noch so entscheidende Punkte wie völliges Fehlen von Effizienz und öfter Mal auch ziemliche Unfähigkeit hinzu.
    Aufgrund eigener Reiseerfahrungen und zwanzigjährigem Aufenthalt in Brasilien, ist es sehr schwer über ein Land nach kurzfristigem Aufenthalt, nicht nur die positiven Aspekte zu sehen.
    Trotzdem ist Brasilien ein Land in dem es sich je nach persönlicher Einstellung gut leben läßt.

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