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Favela Rocinha

Vida em Favela – Das Leben in einer Favela

Favela (portugiesische Bezeichnung für Armenviertel/Elendsviertel oder Slum) geht auf den Namen eines Hanges im Nordosten von Brasilien, dem „Morro da Favela“, zurück. Dort trägt eine typische Pflanze diesen Namen.

Entstehung der Favelas

Die ersten Favelas  entstanden vor über 100 Jahren am Stadtrand von Rio de Janeiro. Sie waren Wohnort der früheren Sklaven, die kein Land als Eigentum besaßen und keine Aussicht auf Arbeit hatten. Über die Jahre sind v. a. schwarzafrikanische Sklaven in jene Viertel gezogen, die anfangs bairros africanos (afrikanische Viertel) genannt wurden.

Es gab viele Versuche, diese handgebauten Vorstädte, in denen die ärmsten der Armen wohnten, zu zerstören. Doch ohne Erfolg – sie haben sich im letzten Jahrhundert unaufhaltsam vervielfacht.

Beschaffenheit und Einwohnerzahl der Favelas

2010 lebten nach Schätzungen etwa 11,3 Millionen Menschen (6% der brasilianischen Bevölkerung) in Favelas – das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Portugal. Die meisten und größten dieser Viertel befinden sich in Rio de Janeiro und São Paulo. Die Armenviertel an den Berghängen gehören zu Rio’s Stadtbild, wie die Christus-Statue und der Zuckerhut.

Blick über die Favela Rocinha in Rio de Janeiro

Die Favelas sind Bereiche aus selbst gebauten Häusern. Sie befinden sich meistens illegal auf Landeigentum und umgeben wie ein Meer aus Hütten die Stadtränder der Megacities. Diese Armenviertel sind überwiegend ungeplant, ohne nummerierte Straßen, Sanitäranlagen, Telefon oder Kanalisation. In den letzten Jahrzehnten sind die Favelas v. a. ein Ort von Drogenkriminalität und Bandenkriegen geworden.

Bewaffneter Frieden

Seitens der Behörden wurden viele Anstrengungen unternommen, die Probleme in den Vierteln zu vermindern. Dazu zählt seit einiger Zeit die „Befriedung“ bzw. „Pazifizierung“ ganzer Viertel mit mehreren tausend Einwohnern. Insbesondere vor der WM 2014 und im Zuge der Olympischen Sommerspiele 2016 wurden und werden viele Favelas von den Sicherheitsbehörden mit Armee und Militärpolizei unter staatliche Kontrolle gebracht.

Doch fürchten viele Bewohner die Polizei mehr als die Drogenbanden. Letztere geben den armen Bewohnern eine Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wenn auch mit Drogengeschäften. Als traficante (Drogenhändler) kann man bereits im Kindesalter mehr Reais am Tag verdienen, als man sonst im Monat zum Leben hätte. Ein lukratives, aber auch gefährliches Geschäft. Die Drogenbosse sind wie der versorgende und schützende Kopf einer Mafiafamilie.

Befriedung der Favelas durch die UPP

Aus den Drogenbanden in Rio sind in den letzten Jahrzehnten schwer bewaffnete Organisationen geworden, die einen Großteil der Favelas mit ihren mafiaähnlichen Strukturen kontrollieren. Die Favelas bieten mit ihren engen Gassen und der schlechten Infrastruktur den idealen Zufluchtsort für die Banden. Die Stadt Rio ist damit geteilt in die Favelas, wo die Drogenbosse die Kontrolle haben, und die übrige Stadt, den asfalto (den asphaltierten Teil), in dem die Gesetze des Staates gelten.

Seit 2008 besetzen Elitepolizisten (Bope) zahlreiche Armenviertel in Rio de Janeiro. So wurden in 174 Favelas 37 Einheiten der sog. „Befriedungspolizei“ (UPP – Unidades de Polícia Pacificadora) stationiert, um die Drogendealer langfristig fernzuhalten.

Touristentour nach Botafago

Einige der UPPs zeigen Wirkung: wie etwa in der Favela Santa Marta im Stadtteil Botafogo, wo aus einer ehemaligen Konfliktzone eine Touristenattraktion geworden ist. Die Ein- und Ausgänge werden dort von den Polizeistationen kontrolliert – bisher mit Erfolg.

Allerdings finden in anderen Favelas trotz der UPP, weiterhin Drogenhandel und bewaffnete Konflikte statt. Auch gibt es Zweifel an der Nachhaltigkeit der UPPs, denn sie benötigen viel mehr Personal als andere Polizeieinheiten. So kommt in der Favela Santa Marta auf jeden 37. Einwohner ein Friedenspolizist, während der Landesdurchschnitt bei 320 Einwohnern pro Polizist liegt.

Rocinha – Rio’s Stadt innerhalb der Stadt

Rocinha ist, mit seinen unzähligen zusammengedrängten Häusern und einem Labyrinth aus Straßen und Gassen, die größte Favela der Stadt. Inoffiziellen Schätzungen zufolge leben an die 250.000 Menschen in dem Viertel (offiziell: ca. 70.000). Das durchschnittliche Monatseinkommen der Bewohner beträgt US $240. Das schnelle und ungeplante Wachstum der Favela hat einen Mangel an grundlegender Infrastruktur zur Folge.

Selbst in den Favelas gibt es soziale Unterschiede. Aber Rocinha zählt zu den privilegierten Armenvierteln mit einem besseren Standard an Infrastruktur und Jobangeboten, und sogar einem eigenen Fernsehkanal („TV ROC“). Auch gibt es wohlhabendere und ärmere Gemeinschaften. Die ärmeren Bereiche einer Favela befinden sich meist höher an den Berghängen, wo die Häuser nur noch zu Fuß zu erreichen sind.

Berichten zufolge sollen angeblich 65% der Rocinha-Bewohner Teil der neuen brasilianischen Mittelschicht sein; und trotz des relativ geringen Einkommens sind viele der Gemeinschaften weiter vom „Slum-Dasein“ entfernt als es oft dargestellt wird. So sind die Lebenszustände in Slums in Afrika und Indien weitaus prekärer.

Die meisten Gebäude in Rio’s Favelas bestehen überwiegend aus Backsteinen und Zement, die Mehrzahl besitzt fließend Wasser und etwa 99% Strom. Die Verfügbarkeit von Sanitäreinrichtungen sind das größte Problem: das Abwasser wird in Rocinha über große Kanäle zwischen den Häusern bergab geleitet.