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Ethnien in Brasilien

Gesellschaft und Ethnien in Brasilien

Gesellschaft in Brasilien

Wie in Gesamtlateinamerika herrscht in Brasilien auch heute noch ein deutlicher Klassenunterschied zwischen spanischstämmigen und indigenen Einwohnern. Bürger mit europäischen Wurzeln kleiden auch heute noch wichtige Geschäftsämter und höhere Gesellschaftspositionen.

Der Ursprung der sozialen Extreme in Brasilien ist in der Lebensform der Fazendas zu suchen. Noch heute beeinflusst dieses Feudalsystem der von Sklaven aufgebauten Landgüter die Gesellschaft. Die Tradition von Herrentum und Unterwürfigkeit existiert bisweilen heute noch.

Brasilianisches Mädchen
Brasilianisches Mädchen

Das Ergebnis ist eine komplexes System unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller, religiöser, regionaler und politischer Gruppen. So existiert einerseits eine Oberschicht in den Zentren wie Rio de Janeiro; andererseits leben Indianerstämme, Großgrundbesitzer und eine moderne Arbeiterschaft gleichberechtigt nebeneinander.

Brasilien gilt als typisches Schwellenland mit einem hohen Grad an Industrialisierung und einem breiten Angebot an Gütern. Trotzdem existiert der Großteil nur am Rande der Armutsgrenze, vor allem in den Außenbezirken der Städte – den Favelas.

Die Bereitschaft zur Kriminalität ist bei ärmeren Brasilianern hoch. Alkohol und Drogen „helfen“ dabei, den harten Alltag vergessen zu machen. Staatliche Leistungen wie Rente, Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe sind minimal. Die wenigsten kommen überhaupt in ihren Genuss.

Hingegen wird ein jeder behandelt, der eine ärztliche Betreuung benötigt – auch ohne Krankenversicherung. In vielen Fällen vertrauen Betroffen allerdings lieber auf alte Hausmittel als sich in die Obhut staatlicher Krankenhäuser zu begeben.

Ethnien Brasiliens

Brasilien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südamerika. Dreiviertel der Einwohner lebt in den Städten. Das hat zwei wesentliche Ursachen. Zum einen die jahrzehntelange wirtschaftspolitische Bevorzugung der Industrie gegenüber der Landwirtschaft. Zum anderen die Verhinderung einer einschneidenden Landreform durch die konservativen Großgrundbesitzer.

Brasilien hat ca. 208,4 Mio. Einwohner (2018), 1960 waren es noch 70 Mio. Die Bevölkerung hat sich also in den vergangenen 40 Jahren mehr als verdoppelt. Der meiste Bevölkerungszuwachs erfolgt bekanntlich in den Unterschichten und vorzugsweise im sogenannten marginalen Milieu. Große Familien sind ein wichtiges Element der Überlebenssicherung, da Kinder und Jugendliche zum Lebensunterhalt mit beitragen müssen.

Indigenas im Amazonasgebiet Brasiliens

Außerdem spielt die der katholischen Kirche zu Grunde liegende Geburtenregelung eine Rolle sowie die mangelnde Sexualaufklärung. Nicht zuletzt gilt unter Einheimischen immer noch das Vorurteil, dass ein „richtiger Mann“ möglichst viele Kinder haben muss.

Ethnische Verteilung in Brasilien

Die ethnische Verteilung lässt sich der Statistik nach wie folgt definieren: Weiße 53%, Mulatten 22%, Mestizen 12%, Schwarze 11% und sonstige 2%. Dabei stellen Portugiesischstämmige die größte Gruppe dar, gefolgt von den Afrobrasilianern als Nachfahren der Sklaven. Dazu kommen weitere europäische Einwanderer (Süd-, Osteuropa, Deutsche) sowie Asiaten aus Japan und Korea und Araber aus dem Libanon und Syrien.

Von den Ureinwohnern Brasiliens vermischte sich nur ein kleiner Teil nicht mit anderen Volksgruppen. Viele von ihnen leben im Amazonasgebiet. Einige hatten noch nie Kontakt zur modernen Außenwelt. Diese Indigenen, wie z.B. die Yanomami, sind durch die in ihren traditionellen Gebieten angelegten Behelfsflugplätze, Straßen und wegen des Berg- und Soja-Anbaus vom Aussterben bedroht.

Gruppen deutscher, italienischer und japanischer Einwanderer siedelten sich im südliche Teil des Landes an, wo diese ethnischen Gemeinschaften heute noch bestehen (Blumenau). Brasilien beheimatet außerdem die größte japanische Gemeinde außerhalb Japans.

Die afrobrasilianische Bevölkerung lebt zumeist in den nordöstlichen Bundesstaaten, wie z.B. in Bahia. All diese Gruppen beeinflussen die vielfältige brasilianische Kultur. Ungefähr 90% der Menschen leben auf zehn Prozent der Landesfläche. Sie wohnen überwiegend an der Ostküste in Städten von Fortaleza bis zur Grenze von Uruguay.

Bildung in Brasilien

Das Bildungswesen wird in Brasilien über öffentliche wie über private Institutionen bestimmt, die sich in die Bereiche der Vor- und Grundschulen, Sekundarschulen und Universitäten gliedern. Die Grundschulausbildung von Kindern ist kostenfrei und obligatorisch, doch meist genießen die staatlichen Schulen einen schlechten Ruf.

Schulpflichtige Kinder sind in der Regel zwischen 7 und 15 Jahre alt. Das Schuljahr geht üblicherweise von Anfang Februar und bis in die erste Dezemberhälfte. Im gesamten Monat Juli sind Winterferien. Die Oberstufe wir mit der 11. Klasse abgeschlossen.

Da jedoch viele brasilianische Jugendliche ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen müssen, um den Lebensunterhalt der Familien mit zu tragen, ist die Analphabetenquote relativ hoch. Verschiedene soziale Programme versuchen dem entgegen zu wirken.

Grundsätzlich fließt in das brasilianische Bildungssystem relativ viel Geld; ähnlich der Höhe des deutschen Bildungsbudgets. Das brasilianische Bildungswesen untersteht der Aufsicht des Bundeserziehungsministeriums. Hier werden Lehrpläne und die Einhaltung der Lernziele geprüft und festgelegt.

Zu den führenden Universitäten im Land zählen die Universität von Brasília (1961), die Universität von São Paulo (1934), die päpstlich-katholische Universität von Campinas (1941), die Bundesuniversität von Rio de Janeiro (1920) und die päpstlich-katholische Universität von Rio Grande do Sul (1948) in Porto Alegre.

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