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Tudo bem! – Alles gut!

Es wird mal wieder Zeit für einen neuen längeren Eintrag von mir und ich schließe an meinen letzten an.

Nachdem ich also von Floripa in Garopaba angekommen war, mein neues Haus bezogen habe und ein paar schöne Surferlebnisse hatte (das wäre auf jeden Fall ein Sport, den ich mir im Alltag gut für mich vorstellen kann), war ich gerade mal knapp zwei Wochen dort.

Garopaba

Danach ging es wieder für ein paar Tage zurück auf die Insel, wo ich in Lagoa da Conceição in einem schnuckeligen Hostel untergekommen bin. Dort habe ich mich mit zwei Freundinnen aus Leipzig getroffen, die auf ihrer Weltreise einen Zwischenstopp in Brasilien eingelegt und mich besucht haben. Leider war das Wetter nicht das Beste, aber wir konnten uns dennoch gut die Zeit vertreiben und miteinander entspannen. Das kam den beiden auch entgegen, denn so eine Weltreise mit ständigen Ortswechseln laugt einen körperlich auch aus.

Floripa

Von Floripa ging es dann ein zweites Mal nach Brasília.
Dort waren die Leute bei meiner Ankunft wieder so nett und hilfsbereit, wie ich es bisher in keiner anderen brasilianischen Stadt erlebt habe. Bereits bei meiner Ankunft am Flughafen, als ich etwas verloren am Terminal herum stand und nicht wusste mit welchem Bus ich am besten in die Stadt komme, half mir eine Gruppe Stewardessen weiter. Und dann war ich im Bus und wusste ebenfalls nicht so recht, wo ich aussteigen muss, obwohl ich dachte, dass ich die Station beim zweiten Mal ohne Weiteres erkennen würde – doch war es bereits dunkel und da helfen mir auch die Angaben der sogenannten „Superquadras“ nicht weiter. Doch wie ich so ständig nach draußen schaute, um irgendetwas zu erkennen was mich an meinen letzten Ausstieg erinnert, kommt auf einmal eine Brasilianerin auf mich zu und fragt, ob ich weiß, wo ich aussteigen muss. Ich zeigte ihr meinen Zettel mit den kryptischen Adressangaben „SQS 402 Apto. 104“ (was so viel bedeutet, wie: „südlicher Superquadrant 402, Apartment 104“). Kurz darauf diskutierte der halbe Bus, wo ich denn am besten aussteigen sollte, und dass es von dieser Station noch sehr weit zu laufen sei. Unter den Teilnehmenden war auch wieder eine Stewardess, die gerade vom Flughafen auf dem Weg nach Hause war (ich glaube Brasília ist auch die Hauptstadt der Stewardessen).
Warum schreibe ich das alles? Weil es mir sehr geschmeichelt und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, wie hilfsbereit und unvoreingenommen die Menschen sein können.
Mir tat es schon fast ein wenig leid und ich fühlte mich etwas seltsam, den halben Bus wegen meiner Angelegenheit in Aufruhr versetzt zu haben. Doch wieso eigentlich „schlecht“ damit fühlen? Ich glaube, das ist auch so eine typisch deutsche Eigenschaft: Hilfe schwer annehmen zu können und sich dann auch nicht so einfach gut damit zu fühlen, wenn man sie (aus freien Stücken und ohne Gegenleistung) bekommt. Ich glaube das ist es, was mich in dem Moment so beeindruckt hat: dieses unvoreingenommene, offene und liebenswerte auf jemanden zugehen (und hierbei handelt es sich lediglich um die Suche einer Busstation) – das ist mir in Deutschland noch nicht einmal in der Weise begegnet. Dabei ist es doch etwas so Schönes, was das Leben viel einfacher und angenehmer macht!

In Brasília, weshalb ich ja noch einmal dort gewesen bin, hatte ich dann ein gutes Party- und Tanzwochenende – die Leute sind dort nicht nur sehr hilfsbereit, sondern auch gut am Feiern!

Zutaten für den Capeta, den brasilianischen „Teufels-Cocktail“Abkühlung im Swimming Pool während der Party

 

 

 

 

 

Nach einem einem tollen Wochenende, ging dann mein Flug weiter nach Foz do Iguaçu, wo ich wieder in einem sehr netten Hostel untergekommen bin und die Leute super angenehm und aufgeschlossen waren.

Unweit von Foz habe ich dann die bekannten Iguaçu Wasserfälle besucht – einfach nur gigantisch!
Danach ging es auch schon wieder weiter und zwar auf die argentinische Seite nach Puerto Iguazú. Dort sind die Fälle ebenfalls sehr beeindruckend und es gibt einen tollen Nationalpark, in dem man den ganzen Tag verbringen kann (hier befinden sich 75 % der Wasserfälle). Auf der brasilianischen Seite hat man einen besseren Panoramablick auf die Fälle und auf der argentinischen ist man mittendrin (kann sie quasi anfassen).

Und nun war ich in Argentinien, ohne zu wissen, ob ich wieder nach Brasilien einreisen kann (das Touristenvisum gilt drei Monate und danach muss man raus).
Vom äußersten Norden Argentiniens hatte ich dann von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang eine 20 h Busfahrt Richtung Süden. So ging es unter klarstem Sternenhimmel und durch morgendliche Nebelschwaden, die vor der aufgehenden Sonne über der weiten argentinischen Prärie schwebten, gen Buenos Aires.

Von der Stadt hatte ich von anderen Leuten bisher nur Gutes gehört und konnte mir nun mein eigenes Bild von dieser Metropole machen.
Seit eh und je hält ja New York (das ich schon zwei Mal besucht habe) den unangefochtenen Spitzenplatz auf meiner Liste der für mich besten Metropolen – vor allem wegen der ungemeinen Multikultur (in NYC leben etwa 150 verschiedene Nationen!), gibt es für mich (bisher) keine andere Stadt, die so eine Wahnsinns ansteckende Atmosphäre zu bieten hat. Buenos Aires erinnerte mich ein wenig an diese Atmosphäre. Das liegt wohl daran, dass sich die Stadt ebenfalls fast ausschließlich aus Einwanderern zusammensetzt. Auch wenn es für mich nicht an NYC rankommt, so hat Buenos Aires doch einen tollen Eindruck bei mir hinterlassen. Das lag natürlich auch wieder an den Menschen, denen ich dort begegnet bin und mit denen ich schöne Momente teilen durfte. Vor allem meine Unterkunft in San Telmo (direkt am Plaza Dorrego, dem zweitältesten Platz der Stadt) bei einer sehr guten lieben Freundin, hat mir den Abschied am Ende etwas schwer gemacht.

Die Stadt hatte einiges für mich zu bieten: San Telmo mit seinen vielen tollen (Tango)Bars, Restaurants, haufenweise Antiquitätenläden und wöchentlichen Straßenfesten mit Live-Musik; viele schöne große Parks (unter anderem ein japanischer Garten und ein Naturreservat unmittelbar an der Stadt); ein Nachtleben, das seinesgleichen sucht und bei dem man eine Riesenauswahl an unterschiedlichsten (Underground)Clubs hat; und vor allem was die urbane Stadterkundung angeht, bot es mir und meiner Kamera mit Street Art und Graffiti eine neue Dimension. Ich dachte, ich hätte in São Paulo die bisher beste Street Art gesehen, doch Buenos Aires sprengte noch einmal mehr den Rahmen für mich! Nicht umsonst gilt sie, aufgrund ihrer Toleranz, als heimliche Hauptstadt dieser urbanen Kunst. Und so habe ich auch an einer geführten Tour von graffitimundo zu den unzähligen (teilweise versteckten) Graffiti Hot Spots teilgenommen. Ich kann jedem, der sich für kreative urbane Kunst interessiert, solch eine Tour nur empfehlen!

Doch habe ich auch gemerkt, dass die Leute in Buenos Aires anders drauf sind als in Brasilien: so war ich fast der einzige, der mit Havaianas durch diese 14 Mio. Einwohner Metropole gelaufen ist und in Brasilien habe ich immer den Eindruck, dass die Leute so viel entspannter und lächelnder unterwegs sind. In Argentinien sind die Menschen auf jeden Fall temperamentvoller, lauter, ungeduldiger und auch teilweise unfreundlicher als in Brasilien. Den Unterschied merkt man ja auch schon allein an der Musik: in Argentinien ist der Tango DER Tanz und sehr melancholisch und emotional bedrückend. In Brasilien ist es der Samba, der jeden mitreißen und in gute Laune versetzen kann, egal, wie schlecht es einem geht. In Buenos Aires habe ich auch eine Sambagruppe auf der Straße erlebt und diese Musik ist einfach genial und genau mein Ding!

Aber nichts desto Trotz hatte ich eine tolle Zeit in Buenos Aires und habe viele nette aufgeschlossene Menschen kennengelernt – und das ist das, was am Ende für einen zählt und einen Ort liebens- und lebenswert macht. Dem „Paris Südamerikas“ (wie die Stadt auch, wegen ihrer europäischen Neobarokarchitektur genannt wird) würde ich jederzeit wieder einen Besuch abstatten.

Nach gut drei Wochen in Argentinien bin ich dann wieder im wunderschönen warmen Brasilien, nach fast 30 h Busfahrt und eiskalter Klimaanlage die ganze Zeit, angekommen. Mich wunderte es, dass ich kein Fieber bekommen habe!
An der Grenze hat alles problemlos mit der erneuten Einreise geklappt.

In Brasilien habe ich dann auch wieder einen neuen Ort kennengelernt, Balneário Camboriú, eine Stadt nördlich von Floripa. Diese wird wegen ihrer vielen Hochhäuser auch das „brasilianische Dubai“ genannt und die Einwohnerzahl steigt im Sommer von etwa 130.000 auf fast 1 Mio.! Viele (reiche) Brasilianer (u. a. Neymar) haben dort ein Ferienapartment.
In der Stadt bin ich dann für einige Zeit bei einer netten Brasilianerin und ihrer Mutter untergekommen. So viel wie in Buenos Aires habe ich zwar nicht unternommen, aber das war mir auch ganz Recht, da ich einiges arbeiten musste. Der Höhepunkt war ein Besuch in Corupá, wo ich den bisher höchsten besuchten Wasserfall mit 130 m Fallhöhe bestaunen konnte!

Nach meinem Aufenthalt in Balneário Camboriú bin ich dann zum dritten Mal in Floripa untergekommen und habe erneut fast ein ganzes Haus für mich allein gehabt, das diesmal sehr ruhig war (bis auf die Tiergeräusche aus dem umliegenden Regenwald) und an einem Berghang liegt.

Und morgen geht dann endlich meine Flug nach Rio, der „brasilianischen Perle“, worauf ich mich schon wahnsinnig freue!
Dort komme ich, anfangs mit einem Freund aus Leipzig, in der Favela „Rocinha“ unter und falls es klappt, werde ich dann dort noch länger wohnen bleiben; vielleicht sogar bis zum Ende meines Aufenthalts hier. Das wird auf jeden Fall eine spannende neue Erfahrung für mich. Und was könnte ein besserer Abschluss von einem Brasilienaufenthalt sein, als die „Cidade Maravilhosa“!

John-Thomas Nagel

John-Thomas Nagel

Zur Zeit befinde ich mich weiterbildend in Brasilien und blogge meine Erlebnisse. Mit Bezug auf das Thema Reisen liefere ich Infos und Tipps aus erster Hand. Viel Spaß beim Lesen!
John-Thomas Nagel

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